Mein persönlicher Blog

Ein Thema das uns alle dieser Tage beschäftigt, ist der Umgang mit dem Corona Virus.

Vor allem für uns als Flugbesatzung ist das Virus allgegenwärtig.

Viele von euch haben mich gefragt, ob man sich im Flugzeug anstecken kann, da es sich ja um einen sehr engen Raum handelt.

Um das beantworten zu können muss man erst einmal verstehen, wie die Kabinenluft während des Reisefluges überhaupt gewonnen wird.

An Bord eines Flugzeuges sind zwei unabhängig voneinander laufende Klimaanlagen in Betrieb. Manchmal sogar drei, dass ist vom Flugzeugtyp abhängig.

Sie regeln nicht nur den Kabinendruck, sondern auch noch die Kabinentemperatur und sorgen für frische Luft.

Damit frische Luft rein kann, muss die alte Luft abgesaugt werden. Das passiert in der Regel 15-30 Mal in der Stunde.

Die Außenluft wird durch das Triebwerk angesaugt, komprimiert und durch spezielle Klimaanlagen ins Flugzeug befördert.

Jetzt kommt der wichtige Teil in Bezug auf Reinheit der Luft. Die sogenannte „Zapfluft“ wird nicht einfach in die Kabine gepustet, sondern wird durch spezielle hochwirksame Filter HEPA – Filter (wie in Krankenhäusern),geleitet, die Bakterien, Viren und Pollen oder Staub aus der Luft filtern. Das bedeutete das die Luft, die ihr im Flugzeug atmet sauberer ist als die in eurem Büro oder Wohngebäude.

Von der Luft kann man sich quasi nicht anstecken.

Trotzdem sollte man natürlich bedenken, dass Passagiere Türklinken, Tische, Sitze etc berühren. Hier liegt eher die Gefahr, wie in anderen öffentlichen Einrichtungen auch.

Deshalb sollte man sich regelmäßig die Hände desinfizieren oder waschen.

Der an Bord bei Lufthansa zum Beispiel befindliche Seifenschaum hat eine desinfizierende Wirkung, wenn man in zwei Minuten auf der Haut einwirken lässt, bevor man ihn abwäscht.

Die Ansteckung durch einen Sitznachbarn ist immer gegeben, wie in Bus und Bahn eben auch. Da helfen nur Masken um sich zu schützen.

Als Kranker, egal welche Krankheit man hat, sollte man auf das Reisen zum eigenen Wohl und der seiner Mitreisenden verzichten. Denn erfahrungsgemäß wird an Bord durch die trockene Luft keine Erkältung besser, sondern schlechter. Außerdem würde man selbst niemanden gerne neben sich sitzen haben der total erkältet ist.

No fear. Be safe.


Nicht alle von euch sitzen so entspannt im Warteraum kurz vor Abflug. Was für mich der Alltag ist, ist für viele von euch die Hölle. Laut Studien leidet 67% der Bevölkerung unter Flugangst. Mal mehr oder weniger stark.

Flugangst kann verschiedene Gründe haben und ist oft ein Zusammenspiel aus verschiedenen Ängsten, die beim Fliegen zum Tragen kommen.


  1. Angst vor der Angst

  2. Klaustrophobie

  3. Kontrollverlust

  4. Höhenangst

  5. Beifahrersyndrom



Alles fünf Ängste äußern sich auch in körperlichen Symptomen wie zum Beispiel: Starkes Schwitzen, Zittern, trockener Mund, Engegefühl, Beklemmungen, Tunnelblick, Herzrasen, starke Nervosität etc

Deshalb wird die Flugangst auch als sehr real empfunden. Normalerweise können wir uns durch erlernte Strategien ablenken, das funktioniert im Flugzeug aufgrund des begrenzten Raumes häufig nicht. Man ist quasi gezwungen in seinem Sitz zu bleiben und fühlt sich alleine mit seiner Angst.

Eigentlich ist das Empfinden von Angst ein Mechanismus, der dazu dient uns in gefährlichen Situationen reaktionsschnell und aufmerksam zu machen. Angst ist also ein Zustand der uns überlebensfähig macht in wirklichen Gefahrensituationen.

Und hier liegt der Unterschied. Flugangst ist eine irrationale Angst vor einer nichtvorhandenen Gefahr.

Angst lässt sich in verschiedene Bereiche aufschlüsseln.

  1. Emotionale Ebene – das Empfinden von Bedrohung

  2. Gedankliche Ebene – negative Gedanken und das Katastrophieren

  3. Körperliche Ebene – körperliche Reaktionen siehe oben

Daraus resultiert ein Vermeidungsverhalten um die unangenehme Situation zu umgehen. Viele Menschen verzichten auf Fliegen aus Angst.


Das muss aber nicht sein!


Hier ein paar Tipps, die sich aus meiner langjährigen Erfahrung als Flugbegleiter bewährt haben sich schon vor der Reise positiv gedanklich auf den Flug umstimmen und polen. Negative Gedanken vermeiden indem man den Vorgang bewusst unterbricht.

  1. Sag laut: STOP, wenn deine negative Gedankenspirale beginnt und versuche das Fliegen mit positiven Gedanken zu belegen. (Ich schaue mir an Bord einen schönen Film an, ich genieße die schöne Aussicht, ich freue mich auf den Urlaub …

  2. Das Erlernen von Entspannungsübungen, die du auf dem Flug anwenden kannst. Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Atemübungen aus dem Yoga, Meditation und bewusstes Loslassen und Entspannen deiner Gedanken und deines Körpers. Diese Kurse werden überall angeboten in Fitnessstudios, Volkshochschulen oder bei therapeutischen Psychologen.

  3. Nimm dir ein gutes Buch mit oder lade dir einen Film auf dein Handy, Tablet und lenke dich ab. Sich mit dem Sitznachbar zu unterhalten, kann helfen um sich abzulenken.

  4. Teile dich der Crew mit. Erzähle ihnen von deiner Flugangst. Normalerweise nimmt die Crew besondere Rücksicht auf Passagiere mit Flugangst. Das kommt speziell bei Turbulenzen zum Tragen.

  5. Wähle einen Sitzplatz über den Tragflächen, denn dort liegt das Flugzeug am ruhigsten und du bekommst am wenigsten die Flugbewegungen mit.

  6. Flugangst Seminare werden von verschiedenen Airlines angeboten und haben eine 99% Erfolgsquote. Du wirst dort in kleinen Gruppen von erfahrenen und psychologisch geschulten Flugbegleitern betreut. Gemeinsam erlernt ihr dort Techniken um mit eurer Angst umzugehen. Zum Abschluss des Seminars kommt ein erfahrener Flugkapitän dazu, den ihr Fragen stellen könnt und der euch technische Fakten an die Hand gibt. Es gibt so viele Falschinformationen in Bezug auf das Fliegen, die allein schon Angst auslösen können. Damit räumt der Kapitän auf. Zum Abschluss fliegt ihr gemeinsam einen Innerdeutschen Flug zusammen. Leider ist der Spaß nicht ganz günstig. Ich glaube, die Kosten liegen um die 800 Euro.

Ob ihr das investieren wollt, hängt natürlich davon ab, wie hoch die Angst und der Druck zu Fliegen sind.

So, ich hoffe ich konnte euch ein wenig Hilfen an die Hand geben, damit ihr euren nächsten Flug mehr genießen könnt.

Vielleicht begegnen wir uns ja mal in der Luft.