• Martina Gercke

Let’s talk about sex, baby.

Aktualisiert: Jan 17


Als Autorin von Liebesromanen muss ich mir immer wieder die Frage stellen, in wie weit ich Liebesszenen in meinen Büchern ausbaue und beschriebe oder den berühmten Schwenk zum Kamin mache und den Rest der Fantasie des Lesers überlasse.

Ich muss gestehen, dass ich das Schreiben von Sexszenen ziemlich anspruchsvoll finde, auch wenn es auf den ersten Blick für einen Außenstehenden einfach erscheinen mag.

Als Autorin sind Worte mein tägliches Geschäft, aber gerade hier komme ich ins Straucheln.

Das Wording für die primären Geschlechtsteile ist in der deutschen Sprache zum Großteil ziemlich armselig. Nehmen wir zum Beispiel das weibliche Geschlechtsteil:

Vagina, Scheide (sehr medizinisch), Lustgrotte, Höhle, Fischdose, Pussy, Spalte, Möse. Urgs!!! Bei den Männern sieht es auch nicht viel besser aus: Penis, Schwanz, Stengel, Gemächt, Lurch, Kolben … Ach nö!

So kommt natürlich die Überlegung in mir auf, ob ich den Vollzug des Geschlechtsakts in seinen Details vielleicht lieber der Fantasie des Lesers überlasse. Anstatt Gefahr zu laufen, den Leser damit zu langweilen oder gar abzutörnen.

Wobei Sex gut beschrieben in Bücher durchaus anregend sein kann, siehe Shades of Grey.

In meinem neuen Roman habe ich mich für einen Mittelweg entschieden. Sex ja, aber nicht bis ins kleinste Detail. - quasi Sex in kleinen Dosen. Anregend, aber durchaus auch die Fantasie des Lesers herausfordernd.

Warum?

Ich bin ein großer Freund der Fantasie. Ich denke jeder Einzelne von uns ist durchaus in der Lage sich Bilder, die der Autor in seinen Büchern mit Worten malt, in seiner Fantasie zu Leben zu erwecken.

Zu gutem Sex im Buch gehört, wie im wahren Leben, auch das Setting. ich finde, dass macht unheimlich viel aus, wenn es um die Wirkung auf den Leser geht. Sprich, wie beschreibe ich die Umgebung in der sich die Protagonisten gerade befinden. Kaminfeuer und Bärenfell oder Strand oder gar Krankenhaus? Da werden sofort Bilder erzeugt ohne das ich viel dazu schreiben muss.

Musik kann in vielen Köpfen Emotionen hervorrufen. Es gibt Songs (Sexual Healing), die bei uns etwas triggern.

Regnet es oder scheint die Sonne? Tag oder Nacht?

Auch das Wetter kann Gefühle hervorrufen, die meine Sexszene unterstützen können. Ich denke da an die Szene aus dem Film 9 ½ Wochen, wo Mickey und Kim sich im Regen lieben.

Auch Shades of Grey hat sich dieses Mittels bedient.

Es gibt viele Mittel als Autor Sexszenen zu beschreiben, ohne sie wirklich zu beschreiben.

Deshalb denke ich, dass eine Andeutung manchmal erregender sein kann als platt ausgesprochen, was man will und tut?

Aus diesem Grund werde ich meiner Linie treu bleiben und Sex in einem Maß beschreiben, sodass es den Leser hoffentlich anspricht, aber nicht alles vorkaut.

Wie ist eure Meinung dazu?



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