• Martina Gercke

Fliegen und Familie. Geht das?

Fliegen und Familie. Geht das?




Ich werde oft gefragt, wie sich der Beruf des Flugbegleiters mit einer Familie unter den Hut bringen lässt. In den Köpfen der meisten Menschen jetten Flugbegleiter ständig durch die Weltgeschichte und sind so gut wie nie Zuhause. Das ist natürlich nicht richtig. Auch wir haben ein Privatleben und ein Leben außerhalb der Fliegerei.

Es gibt klare gesetzliche Vorgaben und einen Manteltarifvertrag für das fliegende Personal, was die Ruhezeiten an den Homebase - Zuhause anbelangt.

Aber ganz klar muss man sagen, dass unser Beruf nicht mit dem eines "normalen" Arbeitnehmers zu vergleichen ist und auch besondere Anforderungen für eine Familie bereithält.

Damit man die Zusammenhänge als Außenstehender besser versteht, muss ich ein bisschen weiter ausholen.


Bei den Ruhezeiten am Heimatflughafen (München oder Frankfurt) muss man zwischen Teilzeitfliegern und Vollzeitfliegern unterscheiden.

Die Bedingungen unterscheiden sich bei den verschiedenen Airlines. Bei meiner Airline muss man als Vollzeitflieger Minimum 10 Tage Zuhause frei haben. Diese freien Tage richten sich nach den vorangegangen Flügen.

Jeder Flug generiert eine Ruhezeit. Kurzstreckenflüge haben eine weitaus geringere Ruhezeit als Langstreckenflüge.

Zum Beispiel muss man als Kabinencrew nach einem New York Flug mindestens 24 Stunden an der Homebase frei haben, bevor wieder ein Einsatz geplant werden darf. Würde der Einsatz in die Gegenrichtung gegen, (Zum Beispiel Asien), würde sich die Ruhezeit verlängern.

Es kann aber durchaus passieren, dass man mehrere Einsätze mit der Minimumruhezeit hintereinander fliegt.

Ein weiterer Faktor der dann zum tragen kommt, ist die maximale Flugstundengrenze die ein Vollzeitflieger arbeiten darf.

Fliegt ein Flugbegleiter mehrere Flüge hintereinander, dann hat er relativ schnell seine maximale Flugdienstzeit erreicht und hätte dann die restlichen Tage frei. (Das können schon mal 4-6 Tage oder mehr am Stück sein)

Es ist also, wie man merkt recht komplex.

Vollzeit fliegen und Kinder ist tatsächlich sehr schwer aufgrund der hohen Abwesenheit von Zuhause.

Bei Teilzeitfliegern ist das Grundprinzip das Gleiche, jedoch ist die Anzahl der Tage Zuhause weitaus höher und noch dazu die Flugstundenanzahl weitaus geringer.

Deshalb fliegen die meisten Flugbegleiterinnen mit Kindern Teilzeit. Hier gibt es eine Reihe an Modellen von monatlich stundenreduziert bis Monate im Jahr frei oder alternierend ein Monat fliegen, ein Monat frei.

Da gilt es für jeden Einzelnen zu entscheiden, was für ihn aufgrund seiner Betreuungssituation infrage kommt.

Ich bin eine monatliche stundenreduzierte Teilzeit geflogen. Das bedeutete in meinem Fall zwei Einsätze im Monat, da ich ausschließlich Langstrecke geflogen bin. Mit Kurzstreckeneinsätzen dazwischen kann es mehr sein, da hier die Ruhezeiten kürzer und die erflogenen Stunden geringer sind.

Hat man die passende Teilzeit gefunden, sollte man sich Gedanken machen, welche Form der Betreuung man wählt. Viele Frauen haben ihren Ehemann und die Eltern an der Seite, die während der Abwesenheit einspringen und die Kinder betreuen. Andere müssen sich eine Tagesmutter für ihre Kinder suchen.

Wichtig hier ist zu wissen, dass der Beruf des Flugbegleiters von den Betreuungspersonen eine hohe Flexibilität erfordert. Monatliche Rufbereitschaften oder Planänderungen sind an der Tagesordnung und können die Betreuung schwierig machen.

Aber es geht! Hier ist einfach eine klare Absprache zu Beginn der Betreuungssituation erforderlich, damit beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen.

Ich empfehle einen stichwortartigen Fragenkatalog vor dem ersten Treffen mit der Tagesmutter anzulegen.

Ich persönlich fand es wichtig, dass die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung betreut wurden. Das gibt den Kindern Sicherheit und der Alltag bleibt geregelt. Aber auch das ist eine individuelle Entscheidung.

Bei uns waren es im Durchschnitt 4 Tage im Monat, die wir auf eine externe Betreuung angewiesen waren.

Für uns hat da Model „Fliegen und Familie“ gut funktioniert. Meine Kinder sind groß und haben die Fliegerei nie als Nachteil empfunden. Natürlich waren sie traurig, wenn die Eltern nicht Zuhause waren. (Wäre ja auch komisch, wenn nicht.)

Unsere Tagesmutter war eine Art Ersatz-Oma, die viel mit unseren Kindern unternommen und sie optimal mit viel Liebe betreut hat.



Solltet ihr noch Fragen zu dem Thema haben, schreibt mir gerne.

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